Weshalb die Darmgesundheit bei Hashimoto eine wichtige Rolle spielt – und wie du deinen Darm im Alltag unterstützen kannst

Weshalb die Darmgesundheit bei Hashimoto eine wichtige Rolle spielt – und wie du deinen Darm im Alltag unterstützen kannst

Als ich mich intensiver mit Hashimoto beschäftigte, richtete sich mein Blick zunächst fast ausschließlich auf die Schilddrüse.

Vor allem konzentrierte ich mich auf die Blutwerte, welche jedoch “gut eingestellt” waren, ich allerdings weiterhin unter Erschöpfung, Kraftlosigkeit und noch vielem mehr gelitten habe.

Je mehr ich jedoch über den Körper lernte, desto deutlicher wurde mir, dass die Schilddrüse nicht isoliert arbeitet. Sie steht in ständigem Austausch mit vielen anderen Organen und Körpersystemen. Eines davon ist der Darm.

Diese Erkenntnis hat meinen Blick auf Gesundheit grundlegend verändert.

Denn aus meiner heutigen Sicht lohnt es sich, bei Hashimoto nicht nur auf die Schilddrüse selbst zu schauen, sondern auch auf den Darm – ein Organ, das weit mehr Aufgaben übernimmt, als häufig angenommen wird.

Warum der Darm so wichtig ist

Der Darm ist weit mehr als ein Verdauungsorgan.

Hier werden Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe über die Darmschleimhaut aufgenommen und dem Körper zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig befindet sich ein großer Teil des Immunsystems im Darm. Darüber hinaus entstehen dort verschiedene Botenstoffe, die unter anderem Einfluss auf Stimmung und Wohlbefinden nehmen können.

Damit all diese Aufgaben zuverlässig erfüllt werden können, ist eine intakte Darmschleimhaut von zentraler Bedeutung.

Sie lässt sich gut mit einer kontrollierten Grenzstation vergleichen: Wertvolle Nährstoffe dürfen passieren und gelangen in den Körper, während Krankheitserreger, Giftstoffe oder unverdaute Nahrungsbestandteile möglichst im Darminneren verbleiben und anschließend ausgeschieden werden.

Damit dieses Schutzsystem funktioniert, sind die Zellen der Darmschleimhaut über feine Verbindungsstellen miteinander verbunden – die sogenannten Tight Junctions. Sie öffnen und schließen sich kontrolliert und regulieren so, welche Stoffe die Darmbarriere passieren dürfen. Solange diese Barriere intakt ist, kann der Darm seine vielfältigen Aufgaben zuverlässig erfüllen.

Hinzu kommt ein weiterer spannender Zusammenhang: Der Darm ist nicht nur für die Aufnahme vieler Nährstoffe wichtig, sondern ist auch an der Verwertung der Schilddrüsenhormone beteiligt. Zwar findet der größte Teil der Umwandlung des Schilddrüsenhormons T4 in das stoffwechselaktive T3 außerhalb des Darms statt, doch das Darmmikrobiom beeinflusst diesen Prozess mit. 

Aus meiner Sicht ist das ein weiterer Grund, weshalb sich bei Hashimoto auch ein Blick auf die Darmgesundheit lohnt. 

Wenn die Darmbarriere aus dem Gleichgewicht gerät

Verschiedene Faktoren können die Darmschleimhaut belasten.

Dazu gehören unter anderem eine unausgewogene Ernährung, bestimmte Medikamente, Infektionen, chronischer Stress oder anhaltende Entzündungsprozesse.

Wird die Darmbarriere geschwächt, können sich die Verbindungen zwischen den Zellen verändern. Die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut nimmt zu.

In der Wissenschaft wird dieses Phänomen als erhöhte Darmpermeabilität bezeichnet. Umgangssprachlich ist häufig vom Leaky-Gut-Syndrom die Rede.

Dadurch können Stoffe, die normalerweise im Darm verbleiben sollten, leichter mit dem Immunsystem in Kontakt kommen.

Welche Bedeutung diese Veränderungen im Einzelfall für die Entstehung oder den Verlauf von Hashimoto haben, wird derzeit intensiv erforscht. Die wissenschaftlichen Daten deuten darauf hin, dass Veränderungen der Darmbarriere und der Darmflora mit Autoimmunerkrankungen in Zusammenhang stehen können. Gleichzeitig sind viele dieser Mechanismen noch nicht vollständig geklärt.

Fest steht jedoch, dass Darm und Immunsystem eng miteinander verbunden sind.

Die Verbindung zwischen Darm und Schilddrüse

Die Schilddrüse und der Darm beeinflussen sich auf unterschiedliche Weise gegenseitig.

Eine gesunde Darmfunktion trägt dazu bei, dass wichtige Nährstoffe aufgenommen werden können, die unter anderem auch für den Schilddrüsenstoffwechsel benötigt werden. Gleichzeitig kann eine Schilddrüsenunterfunktion die Darmbewegung verlangsamen, wodurch Beschwerden wie Verstopfung häufiger auftreten können.

Auch Veränderungen der Darmflora werden bei Menschen mit Hashimoto häufiger beobachtet.

Diese enge Verbindung zeigt, dass Beschwerden häufig nicht nur aus einem einzelnen Organ heraus entstehen, sondern das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Körpersysteme sein können.

Welche Rolle spielt chronischer Stress?

Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor ist das Nervensystem.

Zwischen Gehirn und Darm besteht eine enge Verbindung, die unter anderem über den Vagusnerv vermittelt wird. Er beeinflusst zahlreiche Verdauungsprozesse – beispielsweise die Beweglichkeit des Darms sowie die Ausschüttung verschiedener Verdauungssäfte.

Befindet sich der Körper über längere Zeit in einem Stresszustand, verändert sich diese Regulation.

Verdauungsprozesse können verlangsamt werden, die Zusammensetzung der Darmflora kann sich verändern und die Barrierefunktion des Darms kann beeinträchtigt werden.

Darüber hinaus beeinflusst chronischer Stress das Immunsystem und die Regulation entzündlicher Prozesse.

Bleibt die Belastung über längere Zeit bestehen, verändert sich auch die Wirkung des Stresshormons Cortisol. Immunzellen können mit der Zeit weniger empfindlich darauf reagieren, wodurch Entzündungsprozesse schwieriger reguliert werden können.

Auch deshalb lohnt es sich, den Darm nicht losgelöst vom Nervensystem zu betrachten.

Wie kannst du deinen Darm im Alltag unterstützen?

Eine gesunde Darmfunktion entsteht meist nicht durch eine einzelne Maßnahme, sondern durch das Zusammenspiel verschiedener Gewohnheiten.

Aus meiner Sicht können folgende Bereiche dabei eine wichtige Rolle spielen:

  • eine abwechslungsreiche und ballaststoffreiche Ernährung, die das Darmmikrobiom unterstützt,
  • ausreichend Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und andere pflanzliche Lebensmittel,
  • fermentierte Lebensmittel, sofern sie individuell gut vertragen werden,
  • eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr,
  • regelmäßige Bewegung, die die Darmtätigkeit fördern kann,
  • ausreichend Schlaf und bewusste Erholungsphasen,
  • sowie ein achtsamer Umgang mit chronischem Stress.

Gerade der letzte Punkt wird häufig unterschätzt.

Denn der Darm reagiert nicht nur auf das, was gegessen wird, sondern auch auf die Signale des Nervensystems.

Aus diesem Grund können Achtsamkeit, bewusste Pausen, Atemübungen oder andere Formen der Stressregulation den Darm indirekt unterstützen – nicht weil sie den Darm unmittelbar verändern, sondern weil sie dazu beitragen können, das Nervensystem wieder häufiger in einen Zustand der Regeneration zu führen.

Mein Fazit

Die Darmgesundheit und die Schilddrüse stehen in einer engen Verbindung.

Der Darm beeinflusst unter anderem die Nährstoffaufnahme, das Immunsystem und verschiedene Stoffwechselprozesse. Gleichzeitig können Schilddrüsenfunktion, Nervensystem und Darm sich gegenseitig beeinflussen.

Deshalb erscheint es aus meiner Sicht sinnvoll, den Darm als Teil eines größeren Ganzen zu betrachten.

Wer den Darm unterstützen möchte, muss häufig nicht nach einer einzelnen Lösung suchen.

Oft entsteht Veränderung durch viele kleine Schritte, die sich gegenseitig ergänzen: eine nährstoffreiche Ernährung, ausreichend Bewegung, erholsamer Schlaf, ein bewusster Umgang mit Stress und die Bereitschaft, den eigenen Körper als ein fein abgestimmtes System zu verstehen.

Denn genau in diesem Zusammenspiel entstehen häufig die besten Voraussetzungen dafür, dass der Körper seine natürlichen Regulations- und Regenerationsprozesse bestmöglich entfalten kann.

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