Stressreduktion hat meine Gesundheit verändert. Doch wie kam es, dass ich mit Stressreduktion anfing zu beschäftigen?
Ein voller Alltag, geprägt von Arbeit, Terminen und ständigem Funktionieren – Tag für Tag. Stress war für mich nichts Außergewöhnliches. Er gehörte zu meinem Leben wie das tägliche Brot. Mit der Zeit wurde er so selbstverständlich, dass ich ihn nicht einmal mehr hinterfragte.
Ich hielt Stress für einen normalen Bestandteil eines modernen Lebensstils. Mehr noch: Beschäftigt zu sein gab mir das Gefühl, produktiv zu sein, gebraucht zu werden und dazuzugehören. In meiner damaligen Vorstellung bedeutete Stress automatisch Fleiß und Erfolg. Wer viel zu tun hatte, war wichtig. Wer ständig unterwegs war, schien mitten im Leben zu stehen.
Wenn ich heute zurückblicke, erkenne ich, dass Stress eigentlich schon immer ein stiller Begleiter meines Lebens war. In der Schule, durch emotionale Belastungen, später im Berufsleben – immer gab es Phasen innerer Anspannung. Lange Zeit nahm ich das einfach hin. Erst viel später verstand ich, dass Stress nicht nur meinen Alltag bestimmte, sondern auch still und leise meine Gesundheit beeinflusste.
Besonders deutlich wurde das in einer sehr belastenden Phase Anfang zwanzig. Plötzlich litt ich unter starkem Schwindel, Angstzuständen und unerklärlichen Fieberschüben. Nach einer langen Ärzteodyssee erhielt ich schließlich die Diagnose Schilddrüsenüberfunktion. Rückblickend bin ich überzeugt, dass die Erkrankung schon länger bestanden hatte. Doch der hohe Stresspegel brachte meinen Körper irgendwann an einen Punkt, an dem er nicht mehr kompensieren konnte.
Hashimoto, Erschöpfung und chronischer Stress
Etwa zwanzig Jahre später wiederholte sich die Geschichte auf eine andere Weise. Diesmal lautete die Diagnose Hashimoto und Schilddrüsenunterfunktion. Wieder bemerkte ich lange Zeit nicht, was eigentlich geschah. Dass Stress dabei eine Rolle spielen könnte, kam mir nicht in den Sinn. Während ich funktionierte und weitermachte, arbeitete die dauerhafte innere Anspannung im Hintergrund weiter gegen meine Gesundheit.
Irgendwann bestand mein Alltag nur noch aus Erschöpfung. Ich war müde, kraftlos und kämpfte zusätzlich mit einer Insulinresistenz. Es fühlte sich nicht mehr wie Leben an, sondern wie das tägliche Bemühen, irgendwie durch den Tag zu kommen.
Über die Schulmedizin kann ich nicht viel sagen. Meine Schilddrüse wurde regelmäßig kontrolliert, Werte wurden überprüft und Medikamente verschrieben. Doch Fragen nach meinem Lebensstil, meiner inneren Belastung oder meinem Stresslevel wurden nie gestellt. Und so blieben auch viele Zusammenhänge unbeachtet.
Als ich begann, Verantwortung für meine Gesundheit zu übernehmen, konzentrierte ich mich zunächst ausschließlich auf die Ernährung. Ich wollte alles richtig machen, informierte mich intensiv und stellte vieles um. Doch obwohl gesunde Ernährung wichtig ist, merkte ich irgendwann, dass sie allein mein Problem nicht lösen konnte.
Ich wusste nicht mehr weiter.
Heute kann ich gar nicht mehr genau sagen, wie ich zum Thema Stressreduktion gekommen bin. Wahrscheinlich war es die Summe vieler Bücher, Podcasts und Inhalte aus der ganzheitlichen Medizin, die ich damals verschlang und bis heute mit großem Interesse verfolge. Stück für Stück begann ich zu verstehen, welche Auswirkungen chronischer Stress auf den Körper haben kann.
Dieses Verständnis veränderte meinen Blick auf Gesundheit grundlegend.
Zum ersten Mal richtete ich meine Aufmerksamkeit nicht nur auf das, was ich aß, sondern auch darauf, wie ich lebte. Doch genau das war für mich die eigentliche Herausforderung. Ich war es überhaupt nicht gewohnt, mir bewusst Pausen zu erlauben. Ruhe fühlte sich zunächst ungewohnt an – fast falsch. Deshalb musste ich lernen, meinem Alltag eine neue Struktur zu geben. Ich begann, mir bewusst Zeiträume freizuhalten und mich für neue Gewohnheiten zu öffnen.
Und so begann ich zu meditieren.
Morgens nahm ich mir fünf Minuten Zeit, bevor der Tag startete. Abends tauschte ich das Fernsehprogramm gegen Stille. Es waren kleine Schritte, unscheinbar vielleicht, aber sie veränderten nach und nach etwas in mir.
Die Veränderung kam nicht über Nacht. Genau das war eines meiner größten Learnings: Geduld.
Wir erwarten oft sofortige Ergebnisse, wenn wir etwas verändern. Doch Gesundheit funktioniert nicht wie ein Lichtschalter. Wenn ich heute einen Samen in die Erde pflanze, entsteht daraus auch nicht morgen schon eine blühende Pflanze. Wachstum braucht Zeit. Heilung ebenfalls.
Heute sehe ich Gesundheit ganzheitlicher als früher. Ernährung spielt ohne Frage eine wichtige Rolle. Doch wenn der Körper dauerhaft unter Stress steht, kann selbst die beste Ernährung nicht alles auffangen.
Manchmal beginnt Veränderung nicht auf dem Teller, sondern in den Momenten, in denen wir lernen, innerlich zur Ruhe zu kommen.